‚Wir torkeln wohlwissend durch die Zeit‘

Ein konkretes Lebensbild aus der Dramaturgie der Wirtschaftswelt

Menschen aller Altersgruppen wollen aus dem dramatischen Wettlauf in Schule und Wirtschaft ausbrechen. Das ‚Wie denn?‘ steht aber leider nur in den Sternen der fernen Zukunft.
Dieser Blog, ‚SozioKultur, die Zeit zum Finden der eigenen Talente‘ ist eine Stimme für ‚Veränderung jetzt‘.

Der folgende, autobiografische Text von Robert Schatzer, meinem schon mehrmals hier zitierten Gastautor, zeigt in aufrüttelnder Deutlichkeit die existenzielle Wichtigkeit dieser Veränderung und beschreibt die lebensbedrohlichen Wunden an Geist und Seele, die unser  gnadenloser Wettkampf bewirkt.

„Vor etwa fünf Wochen ereignete sich etwas Unerwartetes.
Zu den Vorbereitungen zur Schulolympiade lernte ich einen Mann kennen, dem ich im lockeren Gespräch berichtete, in welcher finanziell bedrängten Situation ich mich befinde. Darauf machte er mir das Angebot, in seiner Firma als Projektleiter tätig werden zu können, also in meinem alten Beruf.
Lange habe ich gezögert und ängstlich in mich hineingefühlt, ob ich das denn überhaupt ertragen kann,
diese grausame Wirtschaftswelt, von der ich mich so bestimmt zurückgezogen habe, wieder zu betreten.
Aber die Not der Stunde forderte klar ihren Tribut von mir, ließ nicht zu, mich damit in einen Entscheidungsprozess zu begeben. Zwang lastete auf mir, die Pflicht die Meinen zu ernähren, weil wir in einer Situation angelangt waren, die ein Zerbrechen unserer Basis fast unausweichlich erscheinen ließ.
So sagte ich schweren und ängstlich bebenden Herzens zu.

Seit vier Wochen bin ich nun in diesem Betrieb beschäftigt, eingebettet in vielfaches Unrecht, in Geldgier, Profitdenken, menschliche Würdelosigkeit, die aus dem allseits getriebenen Wirtschaftsdenken entsteht. Von einem Menschen als Chef begleitet, der mit Diplomatie, List, Scheinbarkeit und dem Geschick, Kunden vielfach überhöhte Preise einzureden, während er bei seinen Mitarbeitern und Partnern keinen Euro zu viel bezahlt, zu einem beträchtlichen Wohlstand gekommen ist. Ich verdiene in etwa so viel, wie ich vor 25 Jahren verdient habe.
Ich stehe um 05:00 Uhr früh auf, fange um 06:30 an und komme so gegen 06:00 nach Hause. Dann habe ich noch drei Stunden für die Familie, um die ich mich in den ersten Wochen nicht richtig kümmern konnte, weil ich zum Umfallen müde war. Tief erschüttert, entsetzt und auch verängstigt, nahm ich in diesen Tagen bewusst wahr, wie mein breites Bewusst-Sein, meine Fähigkeit alles zu überschauen und nichts zu übersehen, immer kleiner wurde, bis es mir nur mehr den Raum zu betrachten erlaubte, der die Arbeit betrifft.

Seither weiß ich, warum die Menschen für meine Worte nie erreichbar waren, denn ich bin es heute auch nicht mehr. Nichts von dem, was mein Leben ausgemacht hat, vermag mich heute noch zu berühren. Gleichgültig sind mir bedingungslose Grundeinkommen und das Schicksal anderer Menschen geworden. Nur mich, meinen Weg und die Aufgaben darauf vermag ich zu sehen.
Halb blind torkle ich mit all den Anderen durch die Zeit, denen es ebenso ergeht.“

Schreie wie diese versiegen.
Die Wenigen, die noch erreichbar sind, haben Herzklopfen.
Einzelne, die unterdrückten Wahrheitssucher, gehen schon auf überaus schmalen Pfaden.
Glück sei mit Ihnen.

'Gereinigte Herzen zeigen neue Wege'

‚Gereinigte Herzen zeigen neue Wege‘

http://www.guentherfloner.at/kulturarbeit/index.php/home/bilderwelttour2013

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